Freitag, 30. Januar 2009

Kann man Evolution spielen?


Vor drei Jahren tauchte der Name «Spore» zum ersten Mal in der Gamer-Welt auf und weckte hohe Erwartungen. Will Wright, der Superstar unter den Spielenentwicklern («Die Sims»), versprach ein Spiel der Superlative, ein Spiel, das die unermesslichen Möglichkeiten der Evolution ausschöpfen will.

Letzten Herbst erst kam dann «Spore» auf den Markt. Der achtjährige Pavel hats ausgiebig getestet und erklärt, worum es geht.



Falls diese Erläuterungen nicht alle Fragen restlos klären, gibts zu «Spore» natürlich auch eine Webseite.

Pavel hat offensichtlich viel Spass an «Spore». Der Unterhaltungsfaktor des Spiels bleibt auch unbestritten. Und dennoch: die Erwartung hat das Spiel und hat Will Wright nicht ganz erfüllt (auch wenn Wright das etwas anders sieht). Er scheiterte letztlich an dem, was die Evolution so faszinierend macht.

Im Spiel stehen lediglich eine begrenzte Anzahl von Augen, Armen, Klauen oder Mäulern zur Verfügung. Die wirkliche Evolution dagegen scheint keine Grenzen zu kennen. Sie entwickelt für jeden Zweck das exakt richtige Werkzeug. Wenn das «Spore» auch könnte, dann wäre das Spiel wirklich eine Sensation geworden.

So bleibt die Entwicklung vorhersehbar, man kennt das evolutionäre Inventar mit der Zeit und auch die Herausforderungen des Lebens ändern sich nicht gewaltig. Spassig ists trotzdem, vor allem die unterschiedlichen Kreaturen, die man sich basteln kann - wie Pavel (aka erestor0404) das ausgiebig getan hat.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Darwin und ich

Wenn sich am 2. Februar der Hörpunkt auf DRS2 Darwin und der Evolution widmet, dann sollen auch Sie das Wort haben:

Von 13 Uhr bis 14 Uhr können Sie in die Sendung anrufen und fragen und diskutieren - mit dem Evolutionsbiologen Dieter Ebert und der Theologin Christina Aus der Au, beide von der Uni Basel, und dem Moderatoren Patrik Tschudin.

Unser automatisches Hörertelefon ist schon ab jetzt für Ihre Anrufe bereit: 061 365 39 33.
Hinterlassen Sie ihre Kommentare, Ideen oder Fragen zu Darwin und der Evolution. Und nennen Sie uns Ihre Telefonnummer, wenn wir sie am Hörpunkttag, Montag, 2. Februar, zwischen
13 Uhr und 14 Uhr live aus der Sendung anrufen sollen. Wir freuen uns auf Sie.

Dienstag, 27. Januar 2009

Darwin entdecken

Nächste Woche, am 2. Februar, ist es soweit: der Hörpunkt über Darwin und die Evolution geht bei DRS 2 über den Sender - einen ganzen Tag lang.
Der Morgen des Hörpunkts ist ganz dem grossen Biologen gewidmet: Wir lernen ihn sehr persönlich kennen und folgen seinem Weg zur Evolutionstheorie. Gast im Studio ist der Darwin-Biograf Jürgen Neffe. Im Folgenden ein Essay über Darwin, der neugierig machen soll.

Charles Darwin kennen alle – irgendwie.
Das ist doch dieser englische Biologe, der mit seiner Evolutionstheorie erklärt haben will, wie die Vielfalt des Lebens entstanden ist, und der den Menschen zum Affen erklärt hat. Diesen Charles Darwin wollen die Wissenschaftler im Jahr 2009 nun kräftig feiern; weil sein Hauptwerk vor genau 150 Jahren erschienen ist, weil er am 12. Februar seinen 200. Geburtstag begehen könnte, und vor allem, weil seine Erklärung der Artenvielfalt beim grossen Publikum noch immer nicht richtig angekommen ist. Dabei ist Darwins Beitrag zur Naturwissenschaft von fundamentaler Bedeutung. „Nichts ergibt in der Biologie einen Sinn, ausser man betrachtet es im Lichte der Evolution“, hat der Biologe Theodosius Dobzhansky einmal gesagt.

Eine grosse Feier also, um den Mann, seine Theorie – und damit die ganze Wissenschaft populärer zu machen. Viele werden da Propaganda wittern, andere sich gelangweilt abwenden: schon wieder wird eine Geistesgrösse abgefeiert.

Aber Charles Robert Darwin ist die Aufmerksamkeit wert. Hinter dem ikonenhaften Bild des bärtigen Alten ist viel zu entdecken: ein Mann, der sich durch ein Dickicht von Dogmen und Ansichten zu einer neuen Sicht der Welt durchringt, ein Mann der dabei langsam seinen Glauben an Gott verliert, aber auch ein Mann, der über Jahre an Erbrechen, Durchfall und anderen rätselhaften Beschwerden leidet.

1831 brach der 22-jährige Charles Darwin mit der „Beagle“ zu einer Weltreise auf, die fünf Jahre dauern sollte. Später sagte er, dass diese Reise „das bei weitem bedeutungsvollste Ereignis in seinem Leben“ gewesen sei – Recht hatte er: sammelte er doch auf dieser Fahrt jene Fakten, die das Fundament für die Evolutionstheorie bilden würden. Doch zu Beginn der Reise sprach nichts dafür, dass die „Beagle“ einen der ganz grossen der Wissenschaft an Bord hatte.
Um ein Haar wäre Darwin gar nicht mitgefahren. Sein vermögender Vater, der das Leben des Theologiestudenten Charles finanzierte, sah in diesem Trip ein sinnloses Abenteuer. Charles schien ihm orientierungslos und in Gefahr, ein Taugenichts zu werden. Erst hatte er das Medizinstudium geschmissen, dann auf Anraten des Vaters widerwillig Theologie studiert. Nun wollte er offenbar vor dem Amt des Pfarrers auf eine Weltreise flüchten. Nur weil ein Onkel von Charles ein gutes Wort für ihn einlegte, durfte er auf die „Beagle“.

Wissenschaftliche Meriten, die ihn für eine solche Expedition enmpfohlen hätten, hatte er keine. Es gab auch keinen klaren Auftrag. Die „Beagle“ hatte einen Vermessungsauftrag; und ihr Kapitän Robert FitzRoy wollte einen jungen Naturforscher in seiner Kabine mitfahren lassen, um etwas Gesellschaft zu haben auf der langen Fahrt. Als Darwin 1836 nach England zurückkehrte, dauerte es noch 23 Jahre bis er 1859 sein Hauptwerk „Die Entstehung der Arten“ veröffentlichte.

In diesen Tatsachen sind zwei Lektionen verborgen, die gerade heute wichtig sind. Erstens: wissenschaftliche Talente passen nicht in vorgefertigte Schemen und sie sind nicht immer leicht zu erkennen – ob die zunehmend durchorganisierten Studiengänge dem gerecht werden? Zweitens: wissenschaftliche Erkenntnis lässt sich nicht planen. Darwin lebte Zeit seines Lebens vom Vermögen seines Vaters. Ob er die Evolutionstheorie auch entwickelt hätte, wenn er alle drei Jahre einen klar definierten Forschungsantrag hätte einreichen müssen, wie dies heutige Forscher tun müssen?

Ein Grund für die lange Inkubationszeit bis zur Veröffentlichung der Evolutionstheorie liegt darin, dass sich Darwin sehr wohl bewusst war, was er da erkannt hatte: Der Mensch, ein Affe. In „Die Entstehung der Arten“ listet Darwin gleich selber die Einwände gegen seine Theorie auf – inklusive seiner Antworten darauf. Leicht fiel ihm dieser Streit mit der Kirche und Teilen der Öffentlichkeit nicht. Darwin war kein in der Wolle gefärbter Materialist. Er stach 1831 als Gläubiger zur See und verlor seinen Glauben erst über die Jahre. Endgültig wohl mit dem Tod seiner ältesten Tochter Anne, die 1851 zehnjährig vermutlich an Tuberkulose starb und die Darwin innig liebte.

Seine Frau Emma war Zeit ihres Lebens sehr religiös. Als sie 1839 heiraten, deutete Charles ihr an, dass sein Glaube nicht mehr der festeste sei. Sie schrieb ihm darauf einen Brief, in dem sie die Furcht äusserte, „dass unsere Ansichten über das wichtigste Thema weit voneinander abweichen“, und bat ihn, die Religion nicht ganz zugunsten der Wissenschaft aufzugeben. Nach seinem Tod fand Emma ihren Brief mitsamt einem Bild der Tochter Anne in den Unterlagen von Charles. Auf den Umschlag hatte er geschrieben: „Wenn ich tot bin, dann wisse, dass ich dieses Bild oftmals geküsst und darüber geweint habe.“

Die Auseinandersetzung um Religion und Wissenschaft, um Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie, die uns bis heute beschäftigt, diese Auseinandersetzung hat bereits Charles Darwin im engsten Familienkreis und mit sich selbst geführt. In seinen geheimen Notizbüchern lässt sich dies verfolgen. Im Frühling 1838 hatte Darwin offenbar erkannt, dass die Arten voneinander abstammen, und nicht von einem Gott einzeln geschaffen worden sind. „Aber der Mensch, der wundervolle Mensch ist eine Ausnahme", notierte Darwin in sein Notizbuch "C". Nur einige Zeilen später schrieb er: „Er ist keine Ausnahme.“

Diese geheimen Notizbücher haben es den Wissenschaftshistorikern ermöglicht, Darwins Weg zur Evolutionstheorie zu verfolgen. Am Anfang der Erkenntnis stand wohl sein Sammeltrieb. Auf der Fahrt der Beagle hortete der begeisterte Jäger alle Tiere und Pflanzen, die ihm in die Finger kamen – und er sammelte auch eine Unmenge von Fakten. „Ich bin wie Krösus“, sagte er einmal, „überwältigt von meinen Reichtümern an Fakten.“ Darwins Grösse liegt darin, sich schliesslich erfolgreich Übersicht über den immensen Faktenberg geschafft zu haben.

Offenbar war Charles Darwin ein Meister des Ordnens. Geholfen hat ihm dabei seine Freude an Listen; der Biologe und Wissenschaftshistoriker Adrian Desmond hat ihn „den geborenen Verfertiger von Listen“ genannt. Diese Eigenheit beschränkte sich nicht auf die wissenschaftliche Arbeit. Ein paar Jahre nach der „Beagle“-Reise dachte Darwin über die Eheschliessung nach, nicht weil er sich verliebt hatte, sondern aus praktischen Gründen. Und sehr praktisch verlief dann auch die Entscheidung: Er legte eine Liste mit Vor- und Nachteilen einer Ehe an. Als Vorteil erschien ihm etwa die abendliche Gesellschaft einer netten Frau auf dem Sofa, die ihn vom exzessiven Arbeiten abhielt. Als Nachteil vermerkte er, dass er sich wohl einen Job suchen müsse, da die Unterstützung des Vaters nicht für eine Familie reichen würde. Nach dieser sorgfältigen Analyse entschied er sich zur Heirat. Er hielt um die Hand seiner Cousine Emma Wedgood an – die zu seinem Erstaunen die überraschende Avance annahm. Trotz allem, die Ehe scheint zeitlebens eine glückliche gewesen zu sein.

Als Darwin 1859 endlich „Die Entstehung der Arten“ veröffentlicht hatte, da lief seine Sammel- und Ordnungsmaschinerie im Kopf unvermindert weiter. Er sei ein Millionär von seltsamen und skurrilen Fakten geworden, seufzte er und beklagte: „Ich bin zu einer Art Maschine zur Beobachtung von Fakten und Erzeugung von Schlussfolgerungen geworden.“ Während der „Beagle“-Reise habe er „die höheren Gefühle des Erstaunens, der Bewunderung und der Ergebung, die den Geist erfüllen und erheben“ gut gekannt. „Jetzt aber würden die grossartigsten Szenen keine derartigen Überzeugungen und Empfindungen in mir entstehen lassen. Man könnte ganz zutreffend sagen, dass ich wie ein Mensch bin, der farbenblind geworden ist.“

Am 19. April 1882 starb Charles Robert Darwin. Sein geistiges Erbe beschäftigt die Wissenschaft und die Gesellschaft noch heute. Thomas Häusler

(Aus dem Magazin des Kulturclubs von DRS 2)

Montag, 26. Januar 2009

Überbleibsel der Evolution: Haare

Menschen haben Haare - die meisten jedenfalls. Einige mehr, andere weniger und wieder andere vor allem an den falschen Stellen. Unsere Haare sind das, was vom Pelz unserer Vorfahren übrig geblieben ist und: sie verbinden uns mit den übrigen Säugetieren.

Reptilien hingegen besitzen gar keine Haare. Ein Forscherteam hat aber vor kurzem entdeckt, dass Säugetiere und Reptilien was Haare angeht, dennoch etwas gemeinsam haben.

Patrik Tschudin über Haare (download):

Die Fahrt der Beagle: ab heute auf DRS2

Ab heute bis am 12. Februar bietet DRS2 jeden Morgen um 8:15 ein besonderes Hörvergnügen: Gert Heidenreich liest aus Charles Darwins Reisebericht "Die Fahrt der Beagle".


Auf dieser fünfjährigen Reise sammelte der junge Darwin einen wichtigen Teil jener Tierhäute, Knochen und Fakten, die er später zur Formulierung der Evolutionstheorie brauchte.

Aber der Bericht ist keine trockene wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Stück brillante Reiseliteratur. Darin berichtet Darwin von Regenwäldern und von ihm entdeckten Fossilien, genauso wie von seiner Ablehnung der Sklaverei und von seiner ersten Nacht unter freiem Himmel.


"Die Fahrt der Beagle", ab heute jeden Morgen um 8:15 auf DRS2 (ausser sonntags) oder zum Nachhören auf dem Internet.

Die Lesung von Gert Heidenreich gibt es auch als Hörbuch beim mare-Verlag.

Freitag, 23. Januar 2009

Lust auf eine Zeitreise?

Wir wäre das wohl gewesen, wenn ich vor drei Millionen Jahren an Lucys Seite gewandelt wäre? Oder ein wenig später als homo habilis Steinwerkzeuge gebastelt hätte? Oder etwas näher der heutigen Heimat vor 600 000 Jahren als homo heidelbergensis Mammuts gejagt hätte?

Ein kleines Spielzeug der englischen Open University – anlässlich des Darwin Jahrs gebastelt – gibt nicht die endgültige Antwort, aber wenigstens ein bisschen darf man mit dem eigenen Kopf Frühzeit schnuppern: mit einem Porträtfoto, das man hochlädt und dann in verschiedene Urmenschtypen morpht.

(Ein ehemaliger US-Präsident auf dem Weg zum australopithecus afarensis)

Das Verfahren sei wissenschaftlich nicht so exakt, heisst es auf der Webseite. Aber was solls, es macht einfach Spass. Gerade bei Bildern von andern. Wen laden Sie denn hoch: Oli Kahn? Den Chef? Auf jeden Fall viel Vergnügen.

Selbstloses, defizitäres Erbgut verdient Belohnung

Sie sind ein Klassiker, die sich vielleicht schon zu einem Kalauer gewandelt haben und trotzdem hier einen Eintrag verdienen: Die Darwin Awards. Dieser recht zynische Preis wird seit 1993 verliehen - und zwar immer posthum. Es gewinnt derjenige, der sich mit spektakulärer Dummheit selbst ins Jenseits befördert. Denn das, so befanden die Gründer der Darwin Awards (Biologiestudenten der Stanford University), verdient Anerkennung - frei nach Darwins Theorie der natürlichen Auslese: Ein so lebensuntüchtiges Wesen tue der Menschheit einen Gefallen, wenn es sein Genmaterial gleich selber löscht und so dessen Verbreitung verhindert. Ein Award also für selbstloses, defizitäres Erbgut oder wie es auf der Homepage steht:

The Darwin Awards salute the improvement of
the human genome by honoring those who
accidentally remove themselves from it ...

Auf der Website werden die verrückt-tragischen Unfälle gesammelt, auf Echtheit überprüft und veröffentlicht - mittlerweile sogar in Buchform. Bisher wurden über 300 preisgekrönte Fälle gesammelt, die nach Datum aber auch nach verschiedenen Kategorien (Schusswaffen, Elefanten, Elektrizität) geordnet sind. Hier ein Beispiel aus der Kategorie Schusswaffen:

Ken Charles Barger, 47, aus North Carolina erschoss sich aus Versehen mitten in der Nacht, als er, vom Klingeln des Telefons geweckt, statt nach dem Telefonhörer nach seiner Smith&Wesson .38 griff (die auch auf dem Nachttisch lag) Die Waffe ging unglücklicherweise in dem Moment los, als Barger sie sich ans Ohr hielt.