Dienstag, 6. Januar 2009

Biologe Darwin trifft Philosoph Foucault

Viele Medien haben Charles Darwin bereits weitherum gewürdigt. Gestern zum Beispiel die Sternstunden im Schweizer Fernsehen SF1. Dabei gab es unter anderem ein Gespräch mit dem Historiker Philipp Sarasin, der in seinem neuen Buch die beiden Denker Charles Darwin und Michel Foucault zusammenbringt. Christoph Keller über Sarasins Versuch.

Charles Darwin und Michel Foucault – Naturforscher der eine, Philosoph der andere: was geschieht, wenn man sie miteinander vergleicht?

Der Zürcher Historiker Philipp Sarasin hat den interessanten Versuch unternommen, die historischen Studien Michel Foucaults vor dem Hintergrund der Schriften Charles Darwins neu zu lesen. Dabei ist er nicht nur auf eine Reihe von bisher unbekannten Querverweisen gestossen, Philipp Sarasin hat es auch fertiggebracht, die Parallelen im Raisonnement der beiden epochemachenden Denker herauszuarbeiten.

Beide stellen sie sich gegen die Hegel’sche Philosphie, die an ein wie auch immer geartetes Fortschreiten der menschlichen Natur glaubt – eine Philosophie, die letztlich im Marxismus gipfelte. Darwin und Foucault wenden sich gegen eine biologistische, und damit auch deterministische Betrachtung von Natur und Mensch. Sie gehen beide davon aus, dass Gesellschaft wie auch Natur, geleitet von Zufällen, Irrungen und Wirrungen, im Grunde genommen ergebnisoffene, nicht zielgerichtete, aber durchaus auch gestaltbare Phänomene sind.

Nicht zuletzt verbindet Michel Foucault und Charles Darwin eine Faszination für die Natur und für die Naturwissenschaft – Foucault war von der Genetik seiner Zeit (in den 60er und 70er Jahren) fasziniert, und er war fest davon überzeugt, dass es so etwas gibt wie eine „Natur hinter der Kultur“. Darwin für seinen Teil hat stets darauf hingewiesen, dass seine Theorie der Evolution ohne kulturelle Mechanismen nicht denkbar wäre.

Mit seinem Buch eröffnet Philipp Sarasin einen spannenden Einblich in zwei Denker, die – jeder für sich – mit den Traditionen ihrer Zeit radikal gebrochen haben. Zugleich leistet er aber auch einen Beitrag zur Debatte rund um die Frage „Natur versus Kultur“ und zeigt auf, dass nur eine Geschichtstheorie, die sich den Naturprozessen nicht verschliesst, und nur eine Biologie, die kulturelle Prozesse mitdenkt, uns auf neue Erkenntnispfade zu lenken vermag.

Link zu Sternstunde Philosophie auf SF1

Philipp Sarasins Buch:
Darwin und Foucault - Genealogie und Geschichte im Zeitalter der
Biologie
Suhrkamp Verlag
456 Seiten, 42,50 Franken
erscheint am 26.01.2009

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